EINE BANDCHRONIK FÜR LESERATTEN

Es waren Jürgen und Achim, die im Frühjahr 1998 in alten Noten blätterten. Achims Stimme drohte aufgrund mangelnder Übung in ungeliebte Tenor- ja sogar Altregionen aufzusteigen. Für einen Meister des Blues schlichtweg eine Katastrophe! Auch Jürgens Gitarre setzte schon Spinnweben an – ganz zu Schweigen von seiner Trompete, die zuletzt im Ferienlager Schönecken 1988 erklungen war und auf der sich schon der Grünspan breit machte. Aus diesem Dilemma führte nur ein Weg hinaus, darin waren sich Achim und Jürgen einig: Wir müssen die Band wieder zusammenbringen!


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Es folgten ein paar schnelle und gezielte Anrufe bei alten Mitmusikern und so trafen sich im Sommer 1998 im Biergarten des „Blue Fox“ in Gütersloh Achim, Jürgen, Matthias, Thomas „Zichte“ Huchtemeier und Jane Mallon. Jane brachte ein paar Wochen später Steffen und sein Schlagzeug ins Spiel. Damit diese Band nicht auf gottlose Pfade abrutscht, was in diesem Metier schneller als einem lieb ist geschehen kann, holten wir uns den entsprechenden Beistand. Wieder übernahm Jürgen die Initiative, rief diverse Sakro-Pop Gruppen wie „Zeitgeist“, „Aufwind“, „Abwärts“, „Rückwärts“, „Himmelreich“, „Rein und Raus“ (ach ne, die nicht!) an und besorgte uns für 30 Silberlinge einen passablen Bassgitarristen: Carsten (der die Zugehörigkeit zu solch einer Gruppe bis heute hartnäckig leugnet).


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In dieser Formation begannen die Proben Ende 1998 im Farmhouse Jazzclub. Noch ohne Namen aber zunächst mit dem Ziel, auf Achims erster Hochzeit aufzuspielen. Für diesen Auftritt sprachen wir auch kurzfristig den Trompeter Uli Drewes an – was sich als wirklich kurzfristiges Gastspiel darstellte. Uli wollte sich seinen guten Ruf nicht durch eine, gelinde gesagt, mittelmäßige Kapelle verderben lassen – wohl zu Recht. Die Setlist von Achims erster Hochzeit ist leider verschwunden – dabei soll es wohl reichen zu erwähnen, dass wir etwa eine Stunde gespielt haben.


Gründungsformation:


Achim Lübbering – Vocal

Jane Mallon – Background

Thomas Huchtemeier – Gitarre

Jürgen Kemper – Gitarre

Carsten Thewes – Bass

Steffen-Kusk Petersen – Schlagzeug

Matthias Traeger – Tenorsax + Trompete


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Thomas Huchtemeier ereilte Anfang 1999 der Ruf seiner alten Band, der er sich nun mehr widmete. Zichte war schnell raus – deshalb fehlte plötzlich ein Gitarrenzampano – so einer, wie ihn die Band bisher nicht kannte. Und wieder erwies sich Jürgen als genialer Taktiker. Er legte seinen Polterabend extra etwa zeitgleich mit dem Zichte-Rücktritt zusammen, lud den ahnungslosen Olli Niemeyer ein, machte ihn betrunken und zwang ihn, im Hinterstübchen der Klosterpforte den Bandvertrag auf Lebenszeit zu unterschreiben (Letzteres streiten alle Beteiligten jedoch vehement ab). Egal, die Band hatte jedenfalls so Einen, den sie sich immer wünschte – Einen, der auch mal bereit ist, Slideguitar zu spielen – der sich solch einen Knochen sogar selber bauen kann! Perfekt.

Jürgen setzte 1999 die Trompete wieder an die Lippen, Matthias wechselte vollends auf's Tenorsax.  

Jane Mallon sagte dann auch schnell goodbye – es kamen Adrienne Scholze und zunächst Nina Hoss (Muck, 11. September 1999, Cityfest Herzebrock, 19. September 1999).  Nina sang nur einen Auftritt – für sie rückte Judith nach – das war eine deutliche Bereicherung! Am 04. Dezember 1999 spielten wir bei Judiths Schwester.


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Im Februar 2000 trat die Band, die jetzt Call'n'Response heißt, zum ersten Mal im Roadhouse in Wiedenbrück auf. Kneiper Ghandi sagte wörtlich: „Unter allen Bands, die bisher bei mir aufgetreten sind, habt ihr am schlechtesten (!) gespielt – ich habe allerdings auch noch nie so viel eingenommen wie heute Abend (!!!).“ Der Mitschnitt zu diesem Konzert ist scheinbar auf mysteriöse e Art und Weise abhanden gekommen – besser so!

Neben den anderen Gigs prägte uns ein weiterer Auftritt in diesem Jahr: Der 40. Geburtstag bei Hase. In knappen Worten: Scheißwetter, die Band spielt auf einer Anhängerbühne, die Leute sind alt, haben schlechte Laune und wollen unsere Musik nicht hören und zur Krönung grölt das Geburtstagskind zusammen mit der Band „Marmor, Stein und Eisen bricht.“ Seit diesem Tag will niemand mehr aus der Kapelle auf Geburtstagen spielen – Ausnahmen bestätigen aber wie immer die Regel.

Auch in diesem Jahr engagierte sich der etatmäßige Bandmitglieder-Werber erfolgreich und konnte sich wieder eine Kerbe in sein Mundstück feilen. Er fädelte geschickt einen Job beim Alt-Saxofonisten Giancarlo Christophero Beiero ein und verlegte dort engelsgleich und offenbar ohne weitere Absichten einen Parkettboden. Wie in Italien üblich, musste der Deal natürlich mit der Familie ausgehandelt werden. Giancarlo bekam grünes Licht von seinem Paten (oder war es seine Patin). Über Ablösesummen in Lira, in D-Mark oder in Euro, über Vereinbarungen – die sich in vielen so genannten Geschäftsreisen bemerkbar machen, darüber kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Es heißt ja immer, es seien Autogeschäfte, oder was mit Elektrik, oder doch was mit Oliven oder gar Parmaschinken? Egal, die Band ist um einen klasse Saxofonisten reicher. Auch hier trifft wieder die alte Werberregel: Der Zweck…

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„Maßlos in Masberg“ – so startete im Januar das Jahr 2001. Fazit: Sauerländer stürzen betrunken auf die Bühne, und können erst recht nicht über Achims Sauerländerwitze lachen. Außerdem tragen Geburtstagskinder dort zum 40. schon mal gerne einen grauen Anzug und eine Krawatte und begrüßen die Band mit Handschlag und Diener.

Mit einem an schlechter Zahlungsmoral leidenden Wirt hatten wir es am 1. Mai zu tun. Das Wetter verregnete ihm das Geschäft – außerdem lehnten wir dankend Wünsche wie „Hölle, Hölle, Hölle“ ab. Olli musste dem Gedächtnis des guten Mannes auf die Sprünge helfen und ihm noch mal den Vertrag unter die Nase halten. Das wirkte.


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2002 spielte Call'n'Response die erste CD ein. In den Looland-Studios in LA-Neuenkirchen. Vorgestellt auf der Record Release Party, bei der sich Ghandi im Wiedenbrücker Roadhouse wieder eine goldene Nase verdiente. Vor dem Auftritt setzte sich Matthias in das vorbereitete Schaumbad, was sich Steffen extra Backstage eingelassen hatte.

Hier Achims Deadline-Programm:

* Montag 06.05.2002 - 20.00Uhr - Probe Jazzclub * Donnerstag 09.05.2002 - 11.00Uhr - Anlagenprobe Lübbering (Ende offen, wird bis abends dauern!) * Donnerstag 16.05.2002 - 20.00Uhr - Probe Jazzclub * Samstag 18.05.2002 - ab ca. 15.00Uhr - Record-Release (Start bei Lübbering) * Donnerstag 23.05.2002 - 20.00Uhr - Probe Jazzclub (Termin muss noch bestätigt werden) * Samstag 01.06.2002 - 18.00Uhr - Gig Isselhorst * Samstag / Sonntag 27.+28.07.2002 -Gig Jazzclub

Ein weiterer Höhepunkt (jedenfalls für einen Tänzer) entwickelte sich auf einer Wohnzimmerparty in Halle. Die Band spielte akustisch, unter anderem begleitet von einem Männerballett in String-Tangas. Irgendwann hielt der Kameramann der Familie mit seinem Teleobjektiv nur noch auf diesen einen Tänzer, der sich voll reinkniete, dessen rechtes Ei die ganze Zeit aus der Buchse baumelte und der sich plötzlich fragte, warum ihm alle zujubelten.


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Eines der erfolgreichsten Jahre bisher war 2003. Fulminanter Start bei der Nacht der Nächte in Lippstadt – als Olli in der Kneipe „Faust“ auf der Theke sein Gitarrensolo zelebriert und plötzlich ohne Strom dasteht. Da hatte ihm seine Technik wohl einen Streich gespielt und sich ein Kabel gelöst. Ganz schnell verbreitete sich das (unhaltbare und unglaubliche) Gerücht, dass Matthias auf Ollis Stromkabel getreten ist und es dadurch aus der Steckdose gerissen hatte. Wie gesagt: Gerücht!

Auf dem Hof Johannliemke spielt die Band vor relativ wenigen Zuschauern ihren bis dahin besten Auftritt. In Wiedenbrück beim „Marktplatz live“ ist Call'n'Response der Topact. Für den Musiker-Rekrutierer lief es in diesem Jahr nicht ganz so rund. Keine Kerbe im Mundstück.  Stattdessen wird ein junger Pianist während des Marktplatzgigs auf uns aufmerksam. Ludwig wörtlich: „Nach Eurem Konzert habe ich mich gefragt, warum solch eine Band keinen Pianisten hat. Eigentlich wollte ich Euch an diesem Abend noch ansprechen – doch ich war zu besoffen.“ Der Pianist musste wohl noch bis Ende des Jahres ausnüchtern. 2004 stieß er dann endlich dazu. Zum ersten Mal spielt Call'n'Response im Bielefelder Jazzclub und die Clubber engagierten uns für 2005 gleich noch mal.


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Endlich ist Ludwig da. Ein Pianist, der sich 2004 mühevoll und mit viel Geduld von Olli die ganzen Noten in ein Blöckchen notiert. Und all seine Noten beim Freibadgig in Wiedenbrück vergisst oder verliert oder verkauft??? In diesem Jahr läuft der größte Band Gig über die Bühne: Die Woche der kleinen Künste auf dem Gütersloher Dreiecksplatz. Umziehen in Volker Wilmkings alter Musikiste und abräumen am letzten Abend vor 1.500 Zuschauern. In diesem Jahr zieht auch die Band um: In den neuen Probenraum auf dem Hof Düpmann in Herzebrock. Außerdem beginnt in 2004 die Zusammenarbeit mit der Steinhagener Mischercrew Konzeptpunkt (nie mehr Aufbaustress – immer gute Mischer – seit dem Freibadgig in WD). Judith und Frank bekommen Lasse Bo. Judith verlässt die Band zunächst – ob sie wiederkommen wird, ist bisher ungewiss.

Voller Hoffnung geht's los! Dann weiter und weiter und weiter – die Kohle die der Bohlen für DSDS kriegt könnt Ihr uns schenken! Nie wieder Casting!! Dann endlich, nach mehr als 6 Monaten, als die Hoffnung schon verloren war, passiert es doch noch! Wir haben Sie gefunden: Die Sängerin mit dem

Soul in der Stimme: Christina Busche!


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Nach nur drei Monaten stehen wir im Mai 2005 mit Christiana auf der Bühne und nehmen unsere CD „Mercy, mercy, mercy“ live im Bielefelder Jazzclub auf!

Ein Sommerwochenende in München mit wenig Schlaf brachte uns einen tollen Auftritt in der legendären Jazzbar Vogler und nach nur 3,5 Stunden Schlaf eine Studio-Aufnahme von „Ain ́t no mountain high enough“!

Im September dann die pure Angst bei Call'n'Response! Wir spielen ein Wochenende im Farmhouse Jazzclub. Samstagnacht ein Super Gig, nachher noch ein zwei Getränke an der Bar. Sonntagmittag 12.00 Uhr, das erste Set im Club, dann ein Wetterumschwung und zum zweiten Set ab nach draußen. Das war wohl zu viel frische Luft für Christina – kreidebleich und taumelnd verlässt sie die Bühne! War das schon das Ende einer hoffnungsvollen Karriere?

Fünf Minuten später war Christina wieder da brachte den Gig irgendwie zu Ende! Wir haben daraus gelernt und werden das nächste Casting auf Gesang und Getränk aufbauen!


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Im Sommer 2006 verlässt Ludwig dann für ein Jahr unsere Band in Richtung Kolumbien. Wir spielen in den 12 Monaten einige Clubgigs ohne Piano finden aber selber, dass uns was fehlt. So planen wir die nächste große Show in voller


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Besetzung für Anfang Juli 2007 beim Gütersloher Sommer im Mohnspark. Ludwig ist seit 10 Tagen aus Kolumbien zurück und wir prügeln seitdem den

Samba und Bossa und was auch immer aus Ihm heraus! Dann ist er da, der erste schöne Sonntag im Sommer 2007! Über 2000 Leute drängen sich um die Bühne. Super Publikum.

Kurze Zeit später stößt mit Kristina Volkmer (der Vorname bürgt bei uns für Qualität), eine neue Backgroundsängerin zu uns. Nach nur zwei Proben legt sie den ersten Song mit uns auf die Bühne hin. Das war auf einem Sommerfest bei dem wir bis in die laue Sommernacht gespielt haben.


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Im September 2008 ging ́s dann noch mal nach Wiedenbrück, zum Reckenberg-Festival als Abräumer am Samstagabend. Schwarze Wolken um uns herum, doch der Reckenberg bliebt trocken und kochte über – riesen Stimmung!

Die Halloween-Party haben wir im Roadhouse gerockt und wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Dieser Auftritt war der letzte mit unserer Sängerin

Christina Busche die uns nach fast vier Jahren verlässt und studieren geht.


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Zum Glück blieb uns der Casting-Mist diesmal erspart! Jürgen ist mit seinen 203 Zentimetern nicht nur der Längste der Band – er hat auch die schärfsten Augen und wohl die größten Ohren. Im April 2009 entdecken er und Achim im Gütersloher Hannenfass in Carina Schmikale. Klein, zierlich aber mit einer Mörderstimme! Passt – engagiert – neue Kerbe im Trompetenmundstück.  

Höhepunkt in diesem Jahr: Headliner beim „Herzerockt 2009-Festival“ in unserer Heimatgemeinde.


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Jetzt kommen ein paar Jahre im Schnelldurchlauf:

Ludwig ist mit dem Klavierstudium fertig und muss Geld verdienen – er hilft uns ab und zu noch aus. Headliner beim 1125-jährigen Jubiläum der Gemeinde Herzebrock-Clarholz vor 1.000 Zuschauern. Headliner WM-Party 2010 auf dem Paul-Craemer-Platz in Herzebrock. Gigs am 1. Mai bei den Lions.

Carina braucht als einzige Sängerin unbedingt Gesellschaft: Wir gewinnen Sarah Palme – und das ist ein wahrer Gewinn! Die Frau singt Raketen von Aretha Franklin. Dazu kommt Miriam Füchtenhans, die gerade ihr Abi in der Tasche hat. Damit wird Sänger Achim nicht nur von einem optischen Spitzentrio umrahmt – so fett war unser Gesang noch nie – und ist es immer noch!!!

2010 spielen wir zum ersten Mal in Haimhausen bei München in einem Jazzclub. Wahnsinn, diese Bajuwaren, das hat riesigen Spaß gemacht. Auch der Artikel über das Konzert, der ein paar Tage später im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung stand.


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Doch auch Call'n'Response ist schon durch ein tiefes, düsteres Tal gegangen: Die ersten sechs Monate des Jahres 2012 waren wirklich zäh! Steffen konzentriert sich als selbstständiger Friseurmeister mehr auf sein Geschäft. Da stehen wir nun ohne Schlagzeuger da, Sarah orientiert sich beruflich um und hat erstmal keine Zeit mehr. Auch die Suche nach einem Pianisten blieb ohne Erfolg.

„Und immer, immer wieder geht die Sonne auf“ – da hat der alte Haudegen Udo Jürgens recht. Als die Band kurz vor der Auflösung stand, kamen die „Heiligen Drei Könige“ aus dem Morgenland: Martin Baving wollte schon seine Orgel einmotten, Arndt Schlubach brachte sein Schlagzeug mit und Ulli Drewes ist wieder da – was für ein Spitzentrompeter! Halleluja!

Schon im September ging es wieder nach Haimhausen und danach auf's Oktoberfest – das schweißt zusammen.


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2013 gab es ein paar Jazzclubgigs. In diesem Jahr haben wir unsere Noten komplett überarbeitet – jetzt gibt's vierstimmige Bläsersätze, und einen ebenfalls vierstimmigen Gesang. Plötzlich hören wir ganz neue Schlagzeugrhythmen und eine Orgel, die nach vorne geht – praise the lord!


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2014 ziehen wir in unseren neuen Probenraum – die Axtbachphilharmonie. Wir sind begeistert, denn dieser Proberaum wurde extra für Call'n'Response eingerichtet. Danke! An einen phantastischen Musikmäzen und Freund!!!


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Und das ist Call'n'Response 2015:


Achim Lübbering; Lead Vocal

Sarah Palme; Vocal

Carina Schmickale; Vocal

Miriam Füchtenhans; Vocal


Ollie Niemeyer; Guitar, Vocal

Carsten Thewes; Bass

Martin Baving; Keys, Vocal

Arndt Schlubach; Drums


The Madhouse Horns:

Ulli Drewes; Trumpet, Flügelhorn

Jürgen Kemper; Trumpet

Christopher Beier; Alt + Baritonsax

Matthias Traeger; Tenorsax




Und daran arbeiten wir aktuell:


-     Live Radiokonzert

-     Call'n'Response CD No. 3



Wir sehen uns!


Call'n'Response.